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Fahrtechnik

Windschattenfahren – Der Ratgeber

Das Fahren im Windschatten ist eine der wichtigsten Fähigkeiten im Radsport. Hier erklären wir dir, wie du es lernst.

Wir erklären dir, wie du eine selbstbewusste Fahrerin wirst – nicht nur im Windschatten, sondern auch als diejenige, die andere zieht.

Bahnradteams haben das Windschattenfahren perfektioniert. (Foto:Velo Steve/Flickr)

Das Windschattenfahren ist eine Fähigkeit, die du als Rennradfahrerin beherrschen solltest, besonders, wenn du in Gruppen fährst. Es kann dir helfen, mit stärkeren Fahrern mitzuhalten, ohne dass du dich vollkommen verausgaben musst. Und es ist ebenfalls nützlich, wenn du einen Hungerast hast, aber Kilometer von zu Hause entfernt bist, und der Wind auf dem Heimweg von vorne kommt. Als Radfahrerin, die selbstbewusst hinter einem Vordermann fahren oder jemandem helfen kann, indem du ihm Windschatten gibst, bist du in jeder Gruppe willkommen. 

Sich ziehen lassen

„Lutscher” ist die abfällige Bezeichnung für jemanden, der sich im Windschatten des Vordermannes ziehen lässt. Aber niemand würde auf die Idee kommen das Peloton bei der Tour de France als einen Haufen Lutscher zu bezeichnen. Dichtgepackt fahren sie, Schulter an Schulter und nutzen sich gegenseitig um ihre Kräfte zu sparen. Um so selbstbewusst hinter jemandem fahren zu können, gehört Vertrauen in seine eigene Fähigkeit, in die Fähigkeit des Vordermannes und vor allem: Üben, üben, üben.

Das Prinzip

Führungsarbeit gibt es nicht nur bei den Profis.
(Image by TimothyJ via Flickr)

Das Fahren im Windschatten will trainiert sein. Je häufiger du mit anderen fährst, desto mehr Möglichkeiten hast du diese Fähigkeit zu üben. Es kann schon eine ziemlich nervtötende Angelegenheit sein. Denn instinktiv möchte man Platz um sich herum haben um im Notfall ausweichen zu können. Windschatten fahren bedeutet aber nicht, dass du direkt am Hinterrad des anderen kleben musst. Eine halbe Radbreite reicht am Anfang vollkommen aus um durch den Vordermann geschützt zu werden. Das bietet dir noch genug Platz um in unvorhergesehenen Situationen reagieren zu können. Denn auch beim Windschatten fahren gilt: Augen auf und aufpassen!

Kopf hoch, Augen geradeaus!

  • Vorausschauend fahren und doch im Windschatten bleiben – wie geht das? Widerstehe der Versuchung wie hypnotisiert auf das Hinterrad des Vordermannes zu starren, sondern schau nach vorne; am besten auf den Rücken. Wie heißt es doch gleich: Ein schöner Rücken kann entzücken. Und du bekommst mit, was um dich herum passiert und kannst im Notfall reagieren. Hin und wieder kannst du natürlich auf vordersten Punkt deines Vorderrads schielen um zu sehen, ob du den Abstand gut einhälst.  Mit der Zeit entwickelst du ein Gespür dafür, wo sich dein Vorderrad im Verhältnis zum Vordermann befindet.
  • Du wirst ziemlich schnell merken, dass du nicht viel Energie und Kraft aufbringen musst, wenn du dich erstmal im Windschatten eines anderen Fahrers befindest. Du musst weniger Druck auf das Pedal ausüben und kannst deine Beine locker kreiseln lassen. Wenn der Abstand zu groß wird, reicht einfach ein bisschen mehr Druck auf das Pedal, um die Lücke wieder zu schließen.
  • Führe dein Rad locker und entspannt und vermeide ruckartige Bewegungen und scharfes Bremsen. Wenn du bremsen musst um den Abstand wieder herzustellen, dann bremse leicht und vorsichtig an. Keine Sorge, du entwickelt ein Gespür dafür, wie viel Druck notwendig ist um den Abstand und die Geschwindigkeit gleichmäßig zu halten ohne dass du am Hinterrad des Vordermannes vorbeischießt oder plötzlich bremsen musst.
  • Erzwinge nichts, sondern fahr nur so dicht auf, wie du dich sicher fühlst. Je selbstbewusster du wirst und je besser du die Gruppe kennst, mit der du fährst, um so kleiner wird der Abstand zum Vordermann mit der Zeit, und du lernst die Fähigkeit des Windschattenfahrens zu beherrschen und zu schätzen. 

Die Führungsarbeit

Hanka Kupfernagel zeigt wie man fuhrt (Image by Wielerpro.nl via Flickr)

Radfahren ist ein Geben und Nehmen. Im Windschatten kannst du bis zu 40% Kraft sparen. Aber wer im Windschatten fahren kann, muss auch ziehen können um anderen behilflich zu sein. Es sieht einfacher aus, als es ist, daher gilt auch bei der Führungsarbeit: das Ziehen will gelernt sein. Aber Sicherheit geht vor. Als Vorderfrau bist du das Auge derjenigen, die du ziehst. Das bedeutet Verantwortung, vor der du dich aber nicht fürchten musst, wenn du einige Regeln beachtest:

  1. Angenommen, dir klebt förmlich gerade jemand am Hinterrad. Dabei kann es mal passieren, dass sich dein Hinterrad und sein Vorderrad berühren. Wenn du dann plötzlich bremst oder ausscherst, kann das üble Folgen haben. Deswegen nicht voll in die Eisen steigen und keine überraschenden Ausweichmanöver versuchen.
  2. Deine Rennradkumpel hängt an deinem Hinterrad, weil er einfach nicht mehr kann. Er hat sich total verausgabt, seine Energieriegel sind schon lange aufgefuttert (deine auch) und der Wind gibt ihm den Rest. Passe deine Geschwindigkeit dem schwächeren Fahrer an, wenn du ihm helfen willst, damit er gut mithalten kann und nicht noch seine letzten allerletzten Körner verpulvert. Wenn er sich erholt hat, kannst du die Geschwindigkeit erhöhen. Um dem Hintermann die Chance zu geben weiterhin mit dir mithalten zu können, ziehe das Tempo langsam und gleichmäßig an. Aber auch hier gilt: wenn der Hintermann Zeichen gibt, dass es nicht mehr geht, wird das Tempo wieder rausgenommen und angepasst, damit er wieder gut mitkommt.
  3. Einen langsameren Fahrer einen Berg hochzuziehen ist schwierig, denn am Berg sollte jeder sein eigenes Tempo fahren. Versuche deine Geschwindigkeit dem erschöpften Fahrer anzupassen, indem du ein paar Gänge weniger runterschaltest und den Berg ruhiger angehst. Wenn dein Kumpel wirklich am Kämpfen ist, kannst du dich auch im Schieben versuchen. Achtung Unfallgefahr durch Gleichgewichtsverlust!

Übung macht den Meister

Wie so viele Dinge im Leben, wirst du um so besser, je mehr du übst. Wie, wann und mit wem du das tust, bleibt dir überlassen. Viele Vereine oder Radfahrer um dich herum helfen gerne, damit Anfänger die wichtigsten Fähigkeiten im Radsport erlernen und so den Spaß am Zusammenfahren entdecken. Daher gilt, Mädels: Helft euch gegenseitig beim Ziehen und Ziehenlassen. Der Rest kommt mit der Zeit.

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